In der Anfangsphase wandte sich Brigitta C. Quast von der Malerei weg zu Aktionen mit dem
Thema Selbsterfahrung. Sie hat allerdings nie aufgehört zu malen. 1990 widmete ihr das Kreismuseum Peine eine Einzelausstellung, ”Schwarzer Regen”, nur mit Bildern, zu dem auch ein Katalog, jedoch nur mit Texten, erschien. Später, mit einigem Abstand, konnten die KunsthistorikerInnen für ihre Art der Kunst einen Stilbegriff finden: Individuelle Mythologien. Da wären Künstler zu nennen wie Lili Fischer, Anne und Patrick Poirier, Anna Oppermann oder die vielen VideokünstlerInnen der jetzigen Generation.
Die Selbsterfahrung bzw. die verschlüsselte Selbstdarstellung mit Fotos (etwa die Serie ”Trying to change”, die Verwandlungen mit Masken, ”Selbst mit Maske”, Tigerblusen, ”Late marriage with a tyger” etc.) bedeutete für Brigitta C. Quast eine Möglichkeit des Ausbruchs, der Befreiung aus einem von der Gesellschaft aufgezwungenen weiblichen Gefängnis. Mithilfe der Kunst war das legitim und anerkannt, in dieser Form neu und Aufsehen erregend. Ausleben von Aggression und eigentlich unerlaubte Aktionen wie das Aufsprayen von Tigerzeichen waren Mittel zum Zweck, die in unserer Gesellschaft bei Frauen nicht sehr geschätzt sind. Zeigen Frauen Aggression oder eine Form der Selbstverteidigung, werden sie als hysterisch oder noch schlimmer, als Zicken
abgestempelt, also in ein Gefängnis gesteckt, aus dem ein Entkommen wenig wahrscheinlich ist. Befreiung erscheint vielen Frauen, auch Künstlerinnen dann so schwerwiegend wie der Tatzenhieb einer Tigerin... Aber Brigitta C. Quast blieb nicht bei einer Nabelschau, dem selbstgebauten Gefängnis vieler KünstlerInnen. Sie brach aus und begann die vielschichtige Sammlung ”Spuren des Tigers”, die nicht nur aus eigenen Arbeiten besteht, sondern aus Objekten der Kunst (Musik, Literatur, Film), der Mythologie, der Philosophie und vor allem der Konsumwelt.