In dieser Ausstellung sehen wir nur noch die Verpackung der Dinge, die wir lieben. Jede Menge hat die Künstlerin, ihre Familie, ihre Freunde essen müssen, damit die Künstlerin möglichst verschiedene Formen abnehmen konnte. Die Verpackungen sind selbst Objekt geworden, aus Gips, Beton, Papier, ja sogar aus Gelatine. Sie haben eine Umwidmung erfahren, die der unvoreingenommene Besucher nicht sofort wahrnimmt, denn erst auf den zweiten Blick merkt er, dass es sich nicht um „echte“ leere Hüllen handelt, sondern um Nachbildungen.
Hier spielt Mariel Gottwick mit unserer Wahrnehmung, was echt und was nicht echt ist. Und gleichzeitig erhebt sie die an sich wertlosen Dinge in den Kultstatus, einmal, weil sozusagen der Abfall auf den Sockel gestellt ist und zum anderen auch aufgrund der Vergoldung, durch die das Wertlose eine Überhöhung erfährt, zur „Kunst“, zur „Ikone“, wird.
Außerdem: Was ist wirklich wertvoll? Objektiv natürlich Gold oder Brillianten, viel mehr aber noch das, was wir für uns selbst dazu erklären. Und da kann ein schillerndes Pralinenpapier aus Stanniol, von uns zu Kinderzeiten liebevoll und sorgsamst geglättet und vielfältige Erinnerungen weckend, weit wertvoller sein als alles andere. Oder eben die vergoldete Hülle eines bereits vertilgten Pralinen-Objekts, an das wir uns lustvoll und schuldbewusst zugleich erinnern.