Seit Ute Best 1994/95 im Kreismuseum Peine ihre erste große Einzelausstellung zeigte, startete ihre Künstlerkarriere richtig durch, sie wandelte sich mit ihren Installationen von der Kunsthandwerkerin zur Künstlerin.Vor allem in Frankreich engagiert, beteiligt sie sich sehr gern bei Ausstellungen, deren Themen ihr immer und schon lange am Herzen liegen. In Paris traf sie auf faszinierende KünstlerInnen aus vielen Ländern, die sie zur aktuellen Ausstellung nach Peine einlud.
Sie ist eine leidenschaftlich agierende, auch politische Künstlerin: Für den Frieden (z.B. „Frieden bauen“), für Gerechtigkeit, wobei sie auch umstrittene Themen nicht ausspart („Der Hexenbaum“), gleichzeitig aber feinsinnig fasziniert von Lyrik. Gedichte sind neben der Bildenden Kunst ihr Lebenselixier. So begann sie folgerichtig, geliebte Gedichte auf ihre Gefäße mit Bleilettern aufzudrucken, sie sich Buchstabe für Buchstabe langsam anzueignen, als Gegengewicht zu einer oft oberflächlichen Wahrnehmung in unserer schnelllebigen Zeit, als in Ton verewigte Literatur. Auch, wenn Tongefäße zerbrechlich sind, überleben sie doch länger, z.B. in Gräbern, als die heutigen flüchtigen Speichermedien der Computer. Die auf die Gefäße geprägten Gedichte fordern auch die Leser heraus: Sie müssen sich die Mühe machen, langsam und konzentriert zu lesen, um die Texte wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen. Ute Best arbeitete zu Rilke, zu Ödon von Horvarth, vor allem aber zu dem griechischen Lyriker Giannis Ritsos (1909-1990), ein linker, noch heute umstrittener Intellektueller, der den Griechen mit seinen Gedichten ihr nationales Selbstbewusstsein und ihre Würde zurückgab. Mehrere Objekte beschäftigen sich mit ihm, der zweimal inhaftiert war, unter den Nazis und der Militärjunta (1967-74), z.B. „Der Durst in Mistras“, „Barfuss im heißen Sommer“ oder die Boden-Installation der durchscheinenden „Blätter für Ritsos“ aus Porzellan.
Stück für Stück verdichtete sich Ute Bests Arbeit hin zu Installationen. Stellvertretend für viele, viele andere mag die Arbeit „Herkulesstaude/Die illegale Pflanze/Asyl für eine Pflanze“ stehen, die die Künstlerin in natura und als Objekt in ihrem großen, wunderschönen Garten beherbergt. Von vielen Gärtnern wird die Staude als ein verhasster Einwanderer angesehen, dem mit allen Mitteln zu Leibe gerückt werden müsse, weil sie unausrottbar das Land übernehme und zudem giftig und ätzend sei. Dabei fasziniert sie durch grafische Schönheit und dient als Bienenweide, - die Parallele zu den ungeliebten Einwanderern, die verjagt werden sollen, egal in welchem Land, ist unübersehbar. Auf Kopfhörern zu dieser Installation hat Ute Best den passenden Song von Genesis „The return of the giant hogweed“ eingespielt, der zum Schluss in eine Siegeshymne übergeht. Die Installation könnte zu einem „Multikulti“-Denkmal dienen.
Mit poetischen Mitteln versucht Ute Best in ihrer Kunst, auf Missstände hinzuweisen, bis ins Herz hinein engagiert, poetisch-sinnlich, vielschichtig interpretierbar, aber in der Sache unnachgiebig. Dr. Ulrika Evers
Kreismuseum Peine / Museum für Alltagskultur |