Ute Best, Keramikerin

1941
Geboren in Schongau, Oberbayern
1962
Gesellenprüfung als Schauwerbegestalterin in Darmstadt
Berufstätigkeit in Frankfurt/Main bei Nikolaus Franz
1972
Beginn der keramischen Arbeit in Braunschweig
1975/77
Gasthörerin an der TU Braunschweig: Elementares Formen bei
Professor Jürgen Weber
1978
Eröffnung von Werkstatt und Atelier in Peine-Vöhrum
1979/94
Dozentin an der KVHS Peine, Fachbereich Keramisches Gestalten
1983
Kurzaufenthalt im Töpferzentrum Sagain, Burma
1985
Studienreise zum Töpferzentrum La Borne, Frankreich
1990
Teilnahme am Symposium für Keramik "La Borne en Feu", La Borne Frankreich
1992
Mitglied der Künstlervereinigung L' ARALOUROUX, Paris
1994
Studienreise nach Mali, Westafrika, Töpferei der Frauen im Dogonland
2001
Teilnahme am internationalen Bildhauer-Symposium "Das Skulpturen Weg Projekt", Nienhagen bei Celle
2007

Teilnahme am internationalen bildhauerisch keramischen Symposium in Paczków , Polen
Mitglied in der Künstlervereinigung „L'Aralaloux“, Paris
Mitglied der Künstlervereinigung „Le genie de la bastille“, Paris



Ich wohne und arbeite in Vöhrum bei Peine (Niedersachsen). Häufige Arbeitsaufenthalte und Ausstellungen in Frankreich. Meine Arbeitsschwerpunkte sind polierte Gefäß-Keramik, die ich bei ca. 900 Grad reduzierend brenne, Objekte, Installationen und Raku. Zur Zeit beschäftige ich mich vorwiegend mit poetischen Texten, die ich auf die Keramikoberflächen eindrucke.


Meine rot-schwarze Bibliothek
Wir leben in einer Zeit der Entwertung des gedruckten Wortes. Unsere heutigen Dokumente sind Schallplatte, Magnetbänder, Filme Videos, Disketten und CD-Rom, deren Dauerhaftigkeit noch nicht bewiesen ist. Demgegenüber haben die in feuchten Ton eingeritzten und eingeprägten Zeichen der Vorzeit trotz ihrer Zerbrechlichkeit die Jahrtausende überdauert. Ohne diese Zeugnisse wüssten wir nichts über das Denken und Fühlen unserer Vorfahren.
Meine "rot-schwarze Bibliothek" ist für mich der anachronistische Versuch, Texte und Gedanken aus Büchern, die mir etwas bedeuten, "begreifbar" und dauerhaft zu machen.
Die Buchstaben habe ich eingeprägt in die noch feuchte Oberfläche von geglätteten und z.T. polierten Tonkugeln oder in die beim Aufbrechen der Tonmasse entstandenen Spaltflächen.
 
Seit Ute Best 1994/95 im Kreismuseum Peine ihre erste große Einzelausstellung zeigte, startete ihre Künstlerkarriere richtig durch, sie wandelte sich mit ihren Installationen von der Kunsthandwerkerin zur Künstlerin.Vor allem in Frankreich engagiert, beteiligt sie sich sehr gern bei Ausstellungen, deren Themen ihr immer und schon lange am Herzen liegen. In Paris traf sie auf faszinierende KünstlerInnen aus vielen Ländern, die sie zur aktuellen Ausstellung nach Peine einlud.
Sie ist eine leidenschaftlich agierende, auch politische Künstlerin: Für den Frieden (z.B. „Frieden bauen“), für Gerechtigkeit, wobei sie auch umstrittene Themen nicht ausspart („Der Hexenbaum“), gleichzeitig aber feinsinnig fasziniert von Lyrik. Gedichte sind neben der Bildenden Kunst ihr Lebenselixier. So begann sie folgerichtig, geliebte Gedichte auf ihre Gefäße mit Bleilettern aufzudrucken, sie sich Buchstabe für Buchstabe langsam anzueignen, als Gegengewicht zu einer oft oberflächlichen Wahrnehmung in unserer schnelllebigen Zeit, als in Ton verewigte Literatur. Auch, wenn Tongefäße zerbrechlich sind, überleben sie doch länger, z.B. in Gräbern, als die heutigen flüchtigen Speichermedien der Computer. Die auf die Gefäße geprägten Gedichte fordern auch die Leser heraus: Sie müssen sich die Mühe machen, langsam und konzentriert zu lesen, um die Texte wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen. Ute Best arbeitete zu Rilke, zu Ödon von Horvarth, vor allem aber zu dem griechischen Lyriker Giannis Ritsos (1909-1990), ein linker, noch heute umstrittener Intellektueller, der den Griechen mit seinen Gedichten ihr nationales Selbstbewusstsein und ihre Würde zurückgab. Mehrere Objekte beschäftigen sich mit ihm, der zweimal inhaftiert war, unter den Nazis und der Militärjunta (1967-74), z.B. „Der Durst in Mistras“, „Barfuss im heißen Sommer“ oder die Boden-Installation der durchscheinenden „Blätter für Ritsos“ aus Porzellan.
Stück für Stück verdichtete sich Ute Bests Arbeit hin zu Installationen. Stellvertretend für viele, viele andere mag die Arbeit „Herkulesstaude/Die illegale Pflanze/Asyl für eine Pflanze“ stehen, die die Künstlerin in natura und als Objekt in ihrem großen, wunderschönen Garten beherbergt. Von vielen Gärtnern wird die Staude als ein verhasster Einwanderer angesehen, dem mit allen Mitteln zu Leibe gerückt werden müsse, weil sie unausrottbar das Land übernehme und zudem giftig und ätzend sei. Dabei fasziniert sie durch grafische Schönheit und dient als Bienenweide, - die Parallele zu den ungeliebten Einwanderern, die verjagt werden sollen, egal in welchem Land, ist unübersehbar. Auf Kopfhörern zu dieser Installation hat Ute Best den passenden Song von Genesis „The return of the giant hogweed“ eingespielt, der zum Schluss in eine Siegeshymne übergeht. Die Installation könnte zu einem „Multikulti“-Denkmal dienen.
Mit poetischen Mitteln versucht Ute Best in ihrer Kunst, auf Missstände hinzuweisen, bis ins Herz hinein engagiert, poetisch-sinnlich, vielschichtig interpretierbar, aber in der Sache unnachgiebig.

Dr. Ulrika Evers
Kreismuseum Peine / Museum für Alltagskultur

Ute Best, Kirchvorderer Straße 68, D-31228 Peine-Vöhrum, Tel. 05171-23430